Zum Tode von Erich Steinbrenner

Vor gut drei Jahren haben wir vom ADFC Aschaffenburg-Miltenberg unseren Erich Steinbrenner noch besucht und ihm zum 98. Geburtstag gratuliert. Im vergangenen Jahr freuten wir uns mit ihm und seinen Angehörigen über seinen 100. Geburtstag. Jetzt ist er im Alter von 101 Jahren gestorben.

Sein Leben umspannt einen Zeitraum, der für uns Jüngere unvorstellbar ist. Zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise, die völlige Zerstörung Deutschlands infolge der Nazidiktatur, der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg , die deutsche Einheit und schließlich ein Leben in Frieden innerhalb der europäischen Grenzen - das alles gehört, in kurzen Stichworten, mit dazu.

Erich Steinbrenner ist im September 2000 dem ADFC beigetreten. Er war unser ältestes Mitglied und wir waren sehr stolz darauf, ihn in unseren Reihen zu haben. Noch kein bisschen müde und in einem beneidenswerten Alter von einem Jahrhundert körperlich und geistig erstaunlich beweglich. Vor wenigen Jahren noch war er bei unseren Touren oft mit dabei. Einer, dem kein Berg zu steil und kein Tempo zu schnell war. Den Rat von ahnungslosen Mitradlern, er könne bergauf doch ein Stück schieben, wies er lächelnd zurück. Noch mit über 90 Jahren war er oft früher oben als manch jüngerer.

Und mancher von diesen jüngeren Radlern konnte es oft einfach nicht fassen, dass da ein vermeintlich alter Herr, ein Oparadler, mit dem Fahrrad so flott unterwegs war. Das war dann immer auch der Augenblick, in dem wir vom ADFC nicht ohne Stolz und auch nicht ganz unbescheiden und meist ganz lässig uns äußerten: Tja, er ist Mitglied bei uns.

Erich Steinbrenner ist auch als Prokurist bei der Bekleidungsfirma Desch nie Auto gefahren. Er besaß überhaupt keinen Führerschein. Trotzdem blieb er mit Hilfe von Fahrrad und ÖPNV stets beweglich. Es war die beste Voraussetzung, Mitglied im ADFC zu werden.

Wenn wir ihn daheim nicht antreffen konnten, dann war er mit der Bahn zur Familie nach Salzburg unterwegs oder mit Rad und Bahn auf Tour. Den Bahn-Fahrplan konnte er auswendig dahersagen. Bei so viel Freude über ihn und seine geistige und körperliche Beweglichkeit noch im hohen Alter war es selbstverständlich, dass wir ihn anlässlich seines 100. Geburtstages zu unserem Ehrenmitglied ernannten.

Er trat erst kürzer seit einem Verkehrsunfall, den er als Radler erlitten hatte. Sein Tod ist ein Verlust für unseren Verein, aber auch für jeden von uns. Wir werden ihm, unserem Ehrenmitglied, immer ein ehrendes Andenken bewahren.
Manfred Röllinghoff

 

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